23. August 2015 Wolfgang

#4T10HAG – Tag 3

Nein, an Schlaf war in dieser Nacht wirklich nicht zu denken. Es war kalt, eklig und der Vollpfosten, der anfangs lautstark gehofft hatte, dass niemand schnarcht, ging dreimal aufs Klo. Zum Glück hatten wir am Vorabend vereinbart, sehr früh starten zu wollen und so war ich heilfroh, als meine Uhr endlich 4:00 anzeigte. Noch schnell Artur und Ralf geweckt und wenig später ging es mit der Stirnlampe raus ins Dunkel.

Am Vorabend hatten wir den äußerst ambitionierten Plan gefasst, die verbleibenden sechs Gipfel an jenem dritten Tag zu versuchen. Was im ersten Moment ziemlich verrückt klingt, ist im zweiten Moment ziemlich verrückt. Nichts desto trotz: Die Gipfel liegen verhältnismäßig nahe beieinander und einen Versuch ist es allemal wert – zumal uns sonst eine weitere Nacht im Notlager drohen würde und das wollten wir vermeiden.

Wer schon einmal in den Bergen übernachtet hat kann sicherlich bestätigen, dass es kaum etwas schöneres gibt, als die frühe Morgenstimmung. Die Dämmerung lässt den Sonnenaufgang erahnen, die Steinböcke interessieren sich nicht für einen und das Gefühl von Freiheit liegt in der meist noch kühlen Luft. So war dies auch zu Beginn dieses Tages. Einfach traumhaft!

Schnellen Schrittes näherten wir uns dem ersten Ziel, der Mädelegabel. Doch gerade als wir uns an deren Besteigung machen wollten, fing es ‚wie aus heiterem Himmel‘ an zu regnen. Eine dunkle Regenwolke wurde vom heftigen Wind über uns hinweg geschoben und machte uns erstmal richtig nass. Die darauf folgende Wartezeit war die kälteste Phase der ganzen Tour und nur durch die grandiose Lichtstimmung auszuhalten.

Als der Regen aufgehört hatte, stand der Besteigung des vierthöchsten Allgäuer Gipfels nichts mehr im Wege. Zügig nahmen wir die finalen 200 Höhenmeter in Angriff und waren schon kurze Zeit später am dann sonnigen Gipfel. Doch unsere Freude wurde schon bald getrübt, nämlich beim Anblick der benachbarten Hochfrottspitze – unserem nächsten Ziel.

Die Hochfrottspitze ist ein relativ selten begangener Gipfel, was zum einen an ihrer Schwierigkeit und zum anderen an ihrem bröseligen Gestein liegt. Von unserer Position her sah sie auch äußerst steil aus und die Wegführung – wenn man keine Überschreitung machen wollte – war nicht erkennbar. Selbst Ralf, der als einziger von uns schon einmal oben stand, war sich nicht im Klaren, wie man über die Mädelescharte hoch kommt.
Zusätzlich machten sich nach zwei wachgelegenen Nächten die ersten Ausfallerscheinungen bemerkbar. Die Beine waren nicht mehr frisch und die Konzentration von der Müdigkeit getrübt. Dieses Gesamtpaket veranlasste uns dann nach kurzer Diskussion zu der Entscheidung, die Hochfrottspitze auszulassen.

Diese Entscheidung fiel uns natürlich nicht einfach, weil dadurch offiziell unsere Mission – die Besteigung der zehn höchsten Allgäuer in vier Tagen – gescheitert war. Verglichen mit den Risiken einer Besteigung in unserem Zustandl, nahmen wir dies aber billigend in Kauf. Sicherheit geht nun einmal vor.

Etwas betrübt machten wir uns über die kümmerlichen Überreste des Schwarzmilzferners auf zur Bockkarscharte. Dort zeigten sich drei der verbleibenden vier Gipfel unserer Tour: der Bockkarkopf, der Steinschartenkopf und das Hohe Licht. Einzig der Biberkopf – und damit der zehnte Gipfel – war nicht zu erkennen.

Die Gipfel des Heilbronner Wegs sind landschaftlich wahnsinnig schön, bieten großartige Aussichten und sind folglich hoffnungslos überlaufen. Zugleich bietet auch dieser Touri-Slalom viele Hingucker, meistens eher von der traurigeren Sorte. So nahmen wir die Leiter, die Brücke und das Heilbronner Thörle noch mit, ehe wir das Hohen Licht bestiegen.

Auf dem Gipfel des zweithöchsten Allgäuers angekommen, war uns allen klar, dass es zugleich auch der letzte Gipfel des Tages sein würde. Zu viel Körner hatten wir bei dem ständigen Auf und Ab liegen gelassen, zu sehr taten Füße und Beine weh und zu kurz waren die mäßigen Regenerationszeiten während des bescheidenen Schlafs.

Der Blick zum Biberkopf versprach nochmal Gehzeiten von ca. sechs Stunden – das war um diese Uhrzeit nicht mehr drin. Noch weniger wollten wir uns auf eine Nacht im Notlager der Rappenseehütte einlassen, so dass wir beschlossen direkt ins Tal abzusteigen.

Also stiegen wir zunächst zur Rappenseehütte ab und aßen etwas. Dann ging es an den langen Hatsch Richtung Bigsau, der neben guten Gesprächen auch noch einen ordentlichen Regenschauer brachte. Frisch geduscht wurden wir dann um 18 Uhr von Petra in Birgsau abgeholt, genau drei Tage nachdem sie uns in Hinterhornbach abgesetzt hatte. Und somit schloss sich der Kreis.

Bilder

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Strecke

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